Wahrnehmungsorganisation

80% der Informationsaufnahme erfolgen über das Auge. Die so aufgenommenen Information wird dann im Gehirn verarbeitet und organisiert. Psychologen unterscheiden dabei die folgenden Organisationsgesetze:

  • Gliederung in Bereiche
  • Unterscheidung von Figur und Grund
  • Geschlossenheit und Gruppierung
  • Prinzip der guten Gestalt und Gesetz der Prägnanz
  • Integration im Bezugsrahmen

Unser Gehirn agiert hierbei stufenweise. Als erstes versucht es die aufgenommenen Bilder in Bereiche zu gliedern. Ein Bereich kennzeichnet sich z.B. durch eine bestimmte Farbe oder Textur. Auch Veränderungen im Farbton, Helligkeit oder Sättigung führen hierbei zu einer Abgrenzung.

Im zweiten Schritt legt unser Gehirn dann fest, was der Hintergrund, und was der Vordergrund ist.

Schauen wir uns hierzu ein Beispiel an:gliederung-in-bereicheDas Gehirn gliedert das ganze also erstmal in Bereiche: 4 Striche, 3 schwarze Flecken und eine große weiße Fläche. Jetzt versucht das Gehirn die Sache mit dem Vorder- und dem Hintergrund auf die Reihe zu bekommen. Tendenziell versucht das Gehirn immer ein Objekt vor einem Hintergrund zu sehen und seltener umgekehrt. In unserem Beispiel nimmt es also erstmal ein weißes Dreieck im Vordergrund an, dass die Striche und die schwarzen Flecken teilweise abdeckt. Die schwarzen Objekte werden wiederum als auf dem weißen Hintergrund liegend aufgefasst.

Achtung Gedankenspiel! Stellen Sie sich mal vor, das ganze sei ein weißes Blatt Papier, in das die Striche und Teilkreise hineingeschnitten wurden und das jetzt vor einem schwarzen Hintergrund liegt. Gelungen?

War nicht ganz einfach oder? Unser Hirn versucht nämlich lieber uns auf bekannte Muster zurückzuführen. Dabei bedient es sich eben den Erfahrungen die wir im alltäglichen Leben am häufigsten machen. Wie z.B. das Buch das wir auf einen Tisch legen.

Auch der nächste Prozessschritt, die Geschlossenheit lässt sich anhand der Abbildung veranschaulichen. Geschlossenheit ist die Tendenz, unvollständige Figuren als vollständig zu sehen. So ist es auch zu erklären, warum wir ein weißes Dreieck sehen, obwohl nur die Winkel davon vorhanden sind. Wir neigen also dazu Formen zu suchen, wo eventuell keine vorhanden sind.

Wenn wir die Figur weiter betrachten, dann fällt auf, dass wir die dunklen Bereiche nicht jeden für sich betrachten, sondern weitere Muster sehen. Die annähernd Kreisförmigen Punkte formen ein Dreieck, genau wie die Linien in etwa ein Quadrat. Unser Gehirn gruppiert also gleiche Formen und versucht weitere Muster herzustellen.

Die im Folgenden vorgestellten Gesetze und Prinzipien liegen allesamt dem generellen Prägnanzgesetz zugrunde. Das Prägnanzgesetz ist ein allgemeines gestaltpsychologisches Prinzip und besagt, dass Reize oder Reizkonfigurationen so wahrgenommen werden, als wären sie nach möglichst einfachen Organisationsprinzipien aufgebaut.

Das Gesetz der Nähe besagt, dass Objekte, die nahe beieinander sind, als zusammengehörig erkannt werden:

gesetz der nähe

Obwohl an der Anzahl der Kreise, im Vergleich zum Ausgangszustand, nichts geändert wurde, sondern nur einmal der horizontale und einmal der vertikale Abstand geändert wurden, scheinen in den beiden Bildern die Kreise zusammengehörig, die nahe aneinander platziert wurden.

Neben dem Gesetz der Nähe hat auch das Prinzip der Ähnlichkeit einen Einfluss darauf, wie wir Objekte wahrnehmen:

Gesetz der ÄhnlichkeitObwohl der Abstand zwischen den Punkten gleichgehalten wurde, hat die verschiedene Farbe im ersten Diagramm und die Größe der Punkte im zweiten Diagramm die gleiche gruppierende Wirkung.

Das Prinzip des gemeinsamen Schicksals betrifft sich bewegende Objekte. Es besagt, dass unter sonst gleichen Bedingungen Elemente, die sich in dieselbe Richtung mit derselben Geschwindigkeit bewegen, als zusammengehörig wahrgenommen werden. Wenn man sich das Bild ansieht und man sich vorstellt, dass sich die gekennzeichneten Punkte nach oben bewegen, werden diese vom Gehirn wieder gruppiert.

Gesetz des gemeinsamen Schicksals

Das Prinzip der guten Gestalt stellt zugleich den nächsten Organisationsschritt im Gehirn dar. Nach der Abgrenzung in Bereiche, der Erkenntnis, welche Teile sich im Vordergrund befinden und der Gruppierung, werden die Begrenzungen einer Figur noch als eine bestimmte Form organisiert. Eine gute Gestalt zeichnet sich vor allem durch Symmetrie, Regelmäßigkeit und Einfachheit aus. Wir versuchen automatisch unbekannte Formen in bekannte und regelmäßige Formen aufzuteilen, wie in der nächsten Abbildung zu sehen ist. Gute Gestalten werden leichter und schneller wahrgenommen als weniger gefällige und sie werden auch leichter erinnert.

Gesetz der guten Gestalt

Den Abschluss der Organisation im Gehirn bildet die Integration in den Bezugsrahmen. Das Umfeld, in dem wir eine Figur wahrnehmen, hat maßgeblichen Einfluss darauf, wie wir die Figur selbst wahrnehmen. Das nächste Bild zeigt, dass uns eine Raute allein durch Änderung des Umfelds wie ein gekipptes Quadrat erscheint.

Bezugsrahmen

Das Gehirn organisiert unsere Wahrnehmung also ohne unser Zutun in den unterschiedlichsten Bereichen und überaus komplex. Im Hinblick auf die Erstellung von Applikationsoberflächen, Webseiten und der Ergonomie dieser, ist also im Hinterkopf zu behalten, dass klare Strukturen, Nähe und Regelmäßigkeit sehr mächtigen Einfluss auf den Nutzer haben. Durch den gezielten Einsatz dieser Gestaltelemente, kann somit die Schnelligkeit, mit der Objekte erkannt werden, gesteigert werden, und die Lernfähigkeit unterstützt werden.

Der Benutzer gewöhnt sich bei konsequenter und konsistenter Nutzung sehr schnell an das System und kann dadurch seine Aufmerksamkeit ganz auf das Erledigen seiner Aufgaben richten, anstatt Zeit damit zu vergeuden, sich in immer wieder unterschiedlichen Masken zurechtzufinden.

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